Nicaragua: Murales in Esteli

März 2012 - April 2012:
Nicaragua

Nachdem die Ausreise aus Honduras so einfach gewesen ist, freuen wir uns schon wieder. Gut, hatten wir bei der letzten Grenze auch. Also ziehen wir zuerst wieder in Richtung Migracion, damit wir einreisen können. Wir füllen die Touristenkarte aus und zahlen pro Person 12 USD. Einen Stempel gibt es nicht, da Nicaragua zu den C4-Ländern gehört. Der nette Beamte weist uns darauf hin, dass der Stempel aus Honduras mit den 90 Tagen nicht zählen würde (da die Grenzbeamten in Honduras wohl machen, was sie wollen) und unsere 90 Tage ab der Einreise in Guatemala gelten. Aha … nun gut, damit müssen wir Mitte Mai aus Nicaragua ausgereist sein, was kein Problem darstellen sollte.

Dann geht’s zur Aduana, um das Auto wieder mal einreisen zu lassen. Wir werden freundlich von einem Macho begrüßt, der mehr oder weniger nur damit beschäftigt ist, die mit ihm im Büro sitzenden beiden Mädels anzumachen. Er lässt sich dann aber dazu herab und diktiert einem der armen „Untergebenen“ die Daten aus unseren Unterlagen. Das Papier müssen wir dann draußen vom Inspekteur (er schaut mal kurz aufs Auto) abzeichnen lassen. Wir gleichen sicherheitshalber nochmal alle Daten ab und finden 3 Fehler. Also zurück … einige genervte Blicke später halten wir das Papier in den Händen (unser Auto bekommt nur 30 Tage Aufenthaltsrecht; dies kann aber laut Aussage in Managua bei Bedarf verlängert werden). Dann schliessen wir noch die obligatorische Versicherung (30 Tage für 12 USD) ab und lassen unser Auto wieder mal desinfizieren (weitere 3,50 USD).

Nach einer guten Stunde sind wir offiziell in Nicaragua eingereist – kurz und schmerzlos.

Wir fahren in Richtung Somoto, wo wir die Nacht verbringen wollen. Auffallend hier in Nicaragua ist, dass die Straßen in einem hervorragenden Zustand sind. Eigentlich die besten Hauptstraßen seit den USA. Am ersten ATM in Somoto füllen wir unseren Geldbeutel und suchen uns dann eine Unterkunft. Wir müssen feststellen, dass die Preise für Unterkünfte recht gepfeffert sind. Wir haben aber Glück und dürfen auf den abgeschlossenen rückwärtigen Parkplatz eines Hotels für unter 2 € nächtigen.

Not nice, but ok; campsite in Somoto

Am nächsten Morgen geht es dann in Richtung Somoto Canyon. Dort entscheiden wir uns für eine etwa dreistündige Tour zusammen mit unserem Guide Fausto. Es geht teilweise wandernd teilweise schwimmend durch den Somoto Canyon, der erst 2003 von Belgiern „entdeckt“ wurde.


Panorama - Entrance Somoto Canyon

In the canyon

Der Canyon ist nur in der Trockenzeit erwanderbar; in der Regenzeit verwandelt er sich in ein Kayak- und Rafting Paradies, da das Wasser dann gut 10 m höher steht und sich Stromschnellen der Stufe 4-5 entwickeln.

The Somoto Canyon
Our guide Fausto and me


Für uns geht es nach der Tour dann nach Esteli. Wir fahren verschiedene Optionen an und fragen nach der Möglichkeit zu campen. Aber irgendwie haben die Menschen hier alle wirklich wahnwitzige Vorstellungen, die so um die 30 USD liegen pro Übernachtung im Zelt. Die Bomberos bieten uns einen Schlafplatz an; allerdings müssen wir am nächsten Morgen um 06h weg sein … ein wenig zu früh für uns. Also entscheiden wir uns für ein Zimmer für die erste Nacht.

Ein wenig desillusioniert planen wir abends die nächsten Tage. Mein Plan war ja eigentlich, hier in Esteli (laut Stefan ist das hier ein Haufen Sch …) zu arbeiten. Nun haben wir aber das Problem mit den 30 Tagen für das Auto. Wenn es nicht verlängert wird (was wohl nicht der Fall sein muss), dann haben wir ein zeitliches Problem für den Rest von Nicaragua. Außerdem fahren wir das Projekt am Freitag an, aber es ist niemand dort.

Und so fahren wir übers Wochenende erst mal ins 30 km entfernte Reserva Natural de Miraflor. Die Fahrt dauert gute 1,5 Stunden, weil der Weg mehr schlecht als recht ist. Die Landschaft ändert sich aber innerhalb dieser Zeit immens. Von bräunlich karg zu fruchtbar grün.

Close to Esteli; on the way to the Reserva Natural Miraflor2

Reserva Natural Miraflor


Der Grund hierür ist wohl, dass dieses Gebiet höher liegt und sich hier aus diesem Grund die Wolken hier nachts sammeln und es daher immer feucht ist. Wir werden sehen.

Unser Lager schlagen wir auf der Finca Neblada del Bosque auf. Die Finca hebt sich deutlich von allen anderen ab. Ob es wohl daran liegt, dass eine Deutsche hier ihre Finger im Spiel hat? Isabell lebt seit 6 Jahren hier und hat sich ein kleines Paradies aufgebaut.


Finca Neblada del Bosque

Doing nothing ....

Cute little puppies ...

... and amazing Gadafi

... and reading2

Irgendwie fühlen wir uns gerade ein wenig reisemüde und daher machen wir nicht so wirklich viel. Das mit dem Nebel stimmt übrigens. Jeden Abend gegen 22h ziehen dicke wabelige Nebelschwaden über die Berge und hüllen die gesamte Gegend gespenstisch in ihren weißen Dunst ein.

Am Samstag machen wir einen Spaziergang in den nächsten Ort. Dort gibt es auch eine Schule. Hier fühlt man sich richtig in der Zeit zurückversetzt, denn vor der Schule reihen sich die Pferde, auf welchen die Kinder aus den umliegenden Dörfern zur Schule geritten kommen.

A school and the transportation

Finca Neblada del Bosque2

Yammi food ... poor chicken


Sonntagnachmittag geht es dann zurück nach Esteli. Wir nehmen allerdings einen anderen Weg und der kostet uns gute 2 Stunden - ist aber ebenfalls wunderschön. 

Spooky Tree in the Reserva Natural Miraflor


Durch Zufall hatten wir am Freitag vor der "Abreise" zum Miraflor Apartments gefunden, die Langzeit vermietet werden. Und da noch nicht feststeht, was wir machen, nehmen wir uns erst mal ein Apartment für eine Nacht.

Esteli: Apartment Hotel Alpino

Esteli: one of the Murals


Am nächsten Tag versuche ich mein Glück wieder beim Projekt, ohne Erfolg. Dazu kommt, dass wir erfahren, dass der Zoll in Managua die Erlaubnis für das Auto verlängern kann, aber nicht muss.

Somit entschließen wir uns, am nächsten Tag weiterzufahren und unser Glück in Managua später einfach zu versuchen. Sollte es klappen, können wir immer noch arbeiten. Und wenn nicht, dann stehen wir nicht unter Zeitdruck.

Den weiteren Tag verbringen wir damit, dass wir uns die Zigarrenfabrik Perdomo anschauen. Eigentlich war die Fabrik „La Placensias“ geplant, aber da dort wird gestreikt ist somit eine Tour nicht möglich. Wir gehen einfach in die benachbarte Perdomo Fabrik und fragen frech nach einer Führung.

Wir haben Glück und bekommen eine kurze, wenn auch sehr interessante und aufschlussreiche private Führung. Hier werden täglich an die 40.000 Zigarren in unterschiedlichen Qualitäten von insgesamt 180 Mitarbeitern hergestellt, die ausschließlich in die USA verkauft werden.

Perdomo ... Tabacco Factory in Esteli

The Perdomo Factory


Das Grobe, also das Rollen der Zigarren, übernehmen Männer. Den Feinschliff, das finale Blatt (die Hülle) um die Zigarre und den Rest, machen Frauen. Jede einzelne Zigarre wird handgeprüft. Dann geht es für mind. 3 Monate zum weiteren Fermentieren in eine spezielle Kammer (da habe ich es keine 2 Minuten drin ausgehalten, weil ich auf Grund des hohen Ammoniak-Gehaltes dachte, meine Lunge kollabiert jeden Moment…).

Der nächste Schritt ist die farbliche Selektion, damit es in den einzelnen Schachteln später keine farblichen Abweichungen gibt. Der letze Schritt ist das Versehen mit der Banderole (alles nach ganz exakten Vorgaben) und das Verpacken in schicke Holzkisten.

Rolling the cigars ...

... colour checking ...

... and the final packaging


Der Nachmittag wird dann wieder mal unter dem Auto verbracht. Stefan stellt durch Zufall fest, dass wir fast unsere Kardanwelle verlieren; die Schrauben haben sich wohl im Laufe der Zeit einfach alle gelockert. Herrlich …

Nicaragua, Esteli: working on the car again


Am nächsten Tag geht es dann für uns weiter. Zuerst schauen wir uns den Wasserfall Estanzuela an, welcher auf dem Weg liegt und der ein kleines Paradies für sich ist.

Close to Esteli: the waterfall Estanzuela

Dann geht es weiter in Richtung Matagalpa. Matagalpa ist bekannt für guten Kaffee; und richtig, es reiht sich eine Firma an die nächste und hier liegen Tonnen von Kaffee herum; wie immer alles schwer bewacht. Leider finden wir niemanden, der uns den Kaffee nach unseren Vorstellungen und für unseren Espresso-Maker schön fein mahlt. 

Matagalpa: coffee factory


Für uns geht es nach San Ramon auf die Finca La Leonesa, die sich hier in der Nähe befindet. Die Finca ist herrlich gelegen und richtig einsam. Allerdings ist es lange her, dass sich hierher mal Touristen verirrt haben. Nachdem sich die Patrona erbarmt und wir zu ihr vorgelassen werden – ja, der Verwalter (oder eine Art Leibeigener) kündigt uns vorher an und fragt, ob sie uns denn empfangen  möchte - schlagen wir unser Zelt hier für eine Nacht auf. Zur Finca gehört eine alte Goldmine mit vielen Tunneln, die man wohl erforschen kann. Allerdings erklärt uns die Patrona, dass die Mine nicht wirklich gewartet wird, weil die Kosten schlicht zu hoch sind. Schade ...

Bevor die Patrona die Finca für die Nacht verlässt, erklärt sie uns, dass wir uns hier sehr sicher fühlen könnten, denn ihr Verwalter würde die ganze Nacht mit einem Gewehr patrouillieren. Aha, interessant ... und ganz ehrlich: bis zu diesem Satz hatten wir uns eigentlich nicht wirklich unsicher gefühlt hier in der Einsamkeit der Berge …

San Ramon: Finca la Leonesa Campsite

Am nächsten Tag gehen wir dann zusammen mit dem Verwalter (der natürlich bewaffnet ist) auf Erkundungstour. Es geht zur alten Goldmine, von der leider nicht mehr so viel übrig ist. Hier gibt es aber immer noch Gold, Eisen und grüne Opale zu finden. Zur Finca, deren Ausmaße gigantisch sein müssen und die sich seit Ewigkeiten im Besitz der Familie Leonesa befindet, gehört auch ein kleiner Wasserfall.

Allerdings ist es wieder so, dass wir echte Probleme haben, die Menschen hier in Nicaragua zu verstehen; so auch hier. Manchmal haben wir das Gefühl, dass der nette Mensch an unserer Seite eine komplett andere Sprache spricht.


San Ramon: Finca La Leonesa: private Waterfall

San Ramon: Finca La Leonesa: Old Gold Mine

Am Ende unserer privaten Tour kommen wir an den Eingang einer der Goldminentunnel. Die Patrona hat diesen extra für uns von ihren Arbeitern vom Buschwerk befreien lassen und so zugänglich gemacht. Irgendwie unglaublich und wir fühlen uns geehrt.


San Ramon: Finca La Leonesa: entrance to old Gold Mine Tunnel

San Ramon: Finca La Leonesa: our private Guide

Stefan krabbelt ein Stück in den Tunnel, der eine gesamte Länge von gut einem Kilometer hat. Ich verkneife mir das, denn die Tunnel sind in keinster Weise gesichert und wirken nicht gerade vertrauenserweckend.


San Ramon: Finca La Leonesa: old Gold Mine Tunnel

Am Ende bekommen wir noch Obst und Gemüse aus dem Selbstanbau der Finca geschenkt und wir machen uns voll beladen mit lauter Sachen, die wir größtenteils nicht kennen auf den Weg in Richtung Leon. 

Mit jedem Kilometer wird es heißer und in Leon brennt uns ordentlich die Sonne auf den Kopf. Die erste Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz des Hotels Austria und jammern über die unerträgliche Hitze in unserem Zelt.


Leon: nice Campspot for one night ... Hotel Austria

Da wir nur eine Nacht auf dem Parkplatz bleiben dürfen suchen wir uns ein Hostel mit Parkplatz in der Nähe. Wir finden ein nettes Hostel. Allerdings sind die Temperaturen hier wie ein Schock für uns. 

Sogar der Gang zum Mittagessen ist schon zu anstrengend. Ja, unglaublich, aber wahr. Wir trinken und trinken und trinken und schwitzen irgendwie umso mehr. Unser Auto steht direkt gegenüber auf einem bewachten Parkplatz; allerding über 10 Stunden jeden Tag in der prallen Sonne. Am zweiten Tag steigt unsere Kühlbox trotz geladener Batterie einfach aus. Es ist schlichtweg zu heiß im Auto. Wir haben kein Thermometer, aber es hat definitiv Saunatemperaturen. 

Nicaragua: toooo hot ...

Nicaragua: Leon


Ich entscheide mich trotzdem ganz wagemutig dazu, eine Tour auf den Cerro Negro zu machen. Dort kann man Vulkan-Boarden. Hört sich spannend an. Es geht frühmorgens los und der Aufstieg ist mit dem steifen Brett im Rücken weniger schön. Allerdings geht ein angenehmer Wind und so ist es erträglich.


Nicaragua: Panorama from the Cerro Negro

Nicaragua: on top of the Cerro Negro

Nicaragua: Volcano Boarding Cerro Negro


Der Krater ist wunderschön und seit langer Zeit riecht es mal wieder richtig nach Schwefel. Wir kämpfen uns gegen den Wind – der hier oben mit den Brettern in unserem Rücken geradezu spielt – auf den Gipfel. Dort ziehen wir erst mal unsere schicken Anzüge (gegen den Staub und Dreck, der uns erwartet) an und von da ab geht es steil nach unten.


Nicaragua: Cerro Negro

Nicaragua: Cerro Negro

Nicaragua: Cerro Negro Volcano Boarding

Nicaragua: Cerro Negro Volcano Boarding

Ein kurzes und anstrengendes Vergnügen, denn das hier hat nichts – wie geglaubt - mit Snowboarden gemein.

Nächstes Ziel ist dann endlich mal wieder Strand. Hatten wir ja auch schon länger nicht mehr und es sind nur 20 km. Leider haben wir auf dem Weg dorthin unsere erste Begegnung mit korrupter Polizei.

Vor uns fährt ein langsamer Bus, den Stefan überholen möchte. Allerdings befinden wir uns vor einer sanften Kuppe und somit befindet sich auf der Fahrbahn eine durchgezogene Linie. Er schert aus, um zu schauen und genau an der Stelle stehen zwei Polizisten am Straßenrand. Wir werden raus gewunken und Stefan muss samt Papieren aussteigen. Nach einigen Minuten steige ich dann auch aus, was dem Polizisten gar nicht gefällt. Kurz: wir haben einen Fehler gemacht, Kostenpunkt 50 USD, der Führerschein wird einbehalten und nach Managua geschickt. Ich fange an, dem netten Polizisten zu erklären, dass  wir ohne gültigen Führerschein nicht fahren könnten und er solle mir doch bitte die offiziellen Vorschriften oder Gesetze zeigen, da der Betrag von 50 USD doch wohl ein Witz wäre. Da kommt er ein wenig ins Stocken und meint, dass er uns entgegen kommen würde. Es wäre einfacher, wenn wir ihm jetzt direkt 20 USD geben würden. Aha, wir verstehen, worauf er hinaus möchte. Ich möchte wieder die offiziellen Strafgelder für diesen „Fehler“ (immerhin haben wir nicht mal überholt) sehen. Er geht weiter runter im Preis uns letztendlich bietet Stefan ihm 200 Cordoba (6,60 €) an. Wir bekommen den Führerschein zurück und er erklärt uns, dass wir froh sein sollten, dass die Polizei so gut auf uns Touristen aufpasst. Bevor mir jetzt endgültig der Kragen platzt, verfrachtet Stefan mich schnell zurück ins Auto und wir fahren gen Strand.

Auf den Ärger trinken wir erst mal ein Bier und auch ich komme langsam wieder runter. Dann laufen wir zu Fuß herum und finden – wahrscheinlich als Ausgleich für den Ärger – unser kleines Paradies. Wir stehen auf einem wunderschönen Grundstück von Rigo´s Guest House, direkt unter großen Bäumen den ganzen Tag im Schatten – gut für unsere Kühlbox.


Nicaragua: Las Penitas, Rigos Guest House

Es geht ein angenehmer Wind und wir sind nur 20 m vom Meer entfernt. Es gibt eine nette Terrasse mit Hängematten und wir sind einfach nur glücklich. Der Platz hat sogar Familienanschluss und der kleine Angelito schließt mich (Kinderschreck) sofort in sein Herz.


Nicaragua: Las Penitas ... on the beach again

Nicaragua: Las Penitas; Rigos Guest House ... Familystyle

Nicaragua: Las Penitas -  Relaxing place

Und da Waschmaschinen hier in Nicaragua Luxus sind und 98% der Bevölkerung von Hand waschen, schließen wir uns eben an: Waschtag … mal wieder manuell …


Nicaragua: Laundry by hand

Ansonsten ist es so heiß, dass jeder Schritt schon immense Schweißausbrüche verursacht. Unsere Tage hier sind somit eher ruhig. Und es werden wieder mehr Tage als geplant.

Aber wir lernen auch wieder etwas: Campen im Schatten unter Bäumen ist leider auch mit Nachteilen verbunden; bevor wir fahren kratze ich an die 30 Vogelmistflecken von unserem Zeltdach …


Nicaragua: Las Penitas Sunset

Nicaragua: Las Penitas; Isla Juan Venado

Die nächste Station für uns ist der Masaya Nationalpark. Auf dem Weg dorthin machen wir einen kurzen Abstecher zum Vulkan Momotombo, welcher wunderschön am Lago Managua liegt.
An der Abzweigung sehen wir allerdings wieder die roten Hütchen auf der Strasse stehen, die darauf hinweisen, dass sich Polizei in der Nähe befindet. Und richtig, wir werden angehalten. Wir spannen unsere Rückenmuskeln an und atmen tief durch, aber der gute Mann möchte lediglich unsere Papiere und den Versicherungsschein sehen.


Nicaragua: Volcano Momotombo on Lake Managua

Unser Plan, auch noch um die Halbinsel Chiltepe herum zu fahren, scheitert leider recht schnell, da das Wasser des Lago Managua schon recht hoch steht. Und so ist für uns hier ziemlich schnell der Weg zu Ende.


Nicaragua: Peninsula Chiltepe

Nicaragua: always overtaking

Gegen Nachmittag kommen wir am Nationalpark Masaya an. Der tiefe Krater Santiago ist beeindruckend; allerdings wird hier so viel Rauch produziert, dass man kaum etwas sehen kann. 

Nicaragua: Masaya National Park; Crater Santiago


KLUG und KLÜGER beschließen dann, ein wenig herumzulaufen und die Gegend zu erkunden. Da wir bei den derzeitigen Temperaturen vorzugsweise Flip Flops tragen, machen wir uns auch mit diesen auf den Weg. Und so kämpfen sich KLUG und KLÜGER durch staubige vulkanaschige Geröllwege zum Krater des Masayas hoch und auch wieder herunter. Ganz schön dreckige Angelegenheit und wir ernten mitleidige Blicke von allen anderen Besuchern.


Nicaragua: Masaya National Park; hiking up

Nicaragua: Masaya National Park; hiking down

Nicaragua: Masaya National Park; dirty feet after hiking with flip flops

Nicaragua: Masaya NP

Die Nacht verbringen wir einsam unter sternenklarem Himmel direkt im Nationalpark bei sehr angenehmen Temperaturen und stetigem Wind.


Nicaragua: Masaya National Park; Campsite

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um halb fünf, da wir gerne zum Sonnenaufgang – verbotenerweise - oben an den Kratern sein möchten. Der Sonnenaufgang ist unspektakulär, aber wir genießen die Ruhe und den Ausblick.


Nicaragua: Masaya National Park; Sunrise

Nicaragua: Masaya National Park; Sunrise

Wenn man so früh aufsteht, dann ist der Tag erstaunlich lang. Und so fahren wir zuerst zum Mirador der Laguna de Apoyo und dann über winzige Straßen auch direkt an die Lagune, bei der es sich um einen Kratersee handelt. Wir irren planlos herum und finden wieder mal keinen schönen Platz zum Übernachten. Die Hitze macht alles nicht besser. Und gerade, als wir uns entschließen, direkt nach Granada weiterzufahren, landen wir beim Centro Cultural Apoyo. Hier können wir wunderschön im Vorgarten stehen, dösen im Schatten in Hängematten, gehen nachmittags mal wieder kayaken und abends gibt es lecker selbstgemachte Pizza. Ein netter und wirklich sehr schöner Platz.


Nicaragua: Mirador Laguna de Apoyo

Nicaragua: Laguna de Apoyo; entrace to the Centro Cultural Apoyo

Nicaragua: Laguna de Apoyo; Campsite Centro Cultural Apoyo

Nicaragua: Laguna de Apoyo

Und dann geht es auch weiter nach Granada, sehr zum Leidwesen von Stefan, der bei der Hitze so gar keine Lust auf Städte hat. Aber Granada ist eher ein ruhiger Vertreter seiner Gattung. Wir finden ein nettes und bezahlbares Hostel (riesige Zimmer und die Besitzer sind auf ihre Art sehr speziell, aber herzlich und sehr lustig). Unser Auto dürfen wir gegen kleines Entgelt sicher bei den Bomberos parken. Hier hätten auch wir unser Zelt aufschlagen können, aber die sanitären Anlagen lassen doch zu wünschen übrig und bei den Temperaturen schreit unser Körper gerne zweimal am Tag nach einer Dusche.


Nicaragua: Granada; Hostal Esfinge

Nicaragua: Granada; Pollo Frito for Lunch

Durch Zufall treffen wir hier auch Ulla und Kari wieder, mit denen wir uns am nächsten Morgen zum Brunch im Choco Museum verabreden. Da Sonntag ist, findet auch hier wieder eine Osterprozession statt. Allerdings recht schmucklos im Vergleich zu Antigua.


Nicaragua: Granada; yummi brunch in the Choco Museum

Nicaragua: Granada; Easter Procession

Wir strollen durch Granada, was uns gut gefällt und zum Glück auch sehr übersichtlich ist. Allerdings fällt uns auch auf, dass Granada im Vergleich zu den anderen Städten auch einige recht unschöne und dreckige Ecken hat.
Generell ist es in Nicaragua so, dass die Bevölkerung jenseits der Ortschaften sehr arm ist. Hier wird dann in einfachsten Hütten aus Bretten, Wellblech und Plastikplanen gewohnt.  Die Kinder tragen zerrissene Kleidung und geschlafen wird auf dem nackten Boden oder in Hängematten. Einfache (Pferde)karren - wenn es denn ein Pferd hat - dienen als Tranportmittel.


Nicaragua: Granada

Nicaragua: Granada

Nicaragua: Granada

Nicaragua: Granada

Nicaragua: Granada

Dann geht es weiter in Richtung Osten. Auf dem Plan steht Ometepe. Da wir aber für das Auto eine Reservierung brauchen und wir unter sämtlichen Reservierungsnummern die letzen beiden Tage niemanden erreicht haben, beschließen wir spontan einfach zu schauen, ob noch ein Platz auf der Fähre zu haben ist. Und wir haben Glück. Für die Fähre um 16h ergattern wir noch einen Platz.

Aber  zuerst einmal werden wir wieder von der Polizei kontrolliert. Stefan parkt nämlich direkt hinter einem großen Schildauf dem fett "NO ESTACIONAR - Policia Munipical" prangert. Und wieder will der Polizist Papiere und vor allem unseren Versicherungsschein sehen. Aber wenigstens versucht er nicht, uns Geld abzuknöpfen.

Neben uns wollen auch noch andere nach Ometepe und die Fähre fährt nicht los, bis nicht wirklich jeder seinen Platz hat. Da wird um geparkt und da werden Autos in die engsten Lücken reingeschoben und reingewuchtet, bis denn alles passt. Schön eng können wir nur sagen …


Nicaragua: Ometepe; ferry trip to the island

Nicaragua: Ometepe; ferry trip to the island

Nicaragua: Ometepe; ferry trip to the island

Nicaragua: Ometepe; ferry trip to the island

Nicaragua: Ometepe; ferry trip to the island

Ometepe mit seinen beiden Vulkanen gefällt uns auf Anhieb. Hier fühlt man sich, als wäre die Zeit stehengeblieben. Die südliche Hauptstraße (oder Ringstraße), die südlich um den Vulkan Conception herumführt ist eine gepflasterte schmale Straße, auf der sich mehr Vieh bewegt als Autos. Alle anderen Straßen sind eher schlecht und haben Passagen, die leichten Off-Road-Charakter haben.

Wir finden einen tollen Platz direkt am See, wo wir unser Lager aufschlagen. Wir erkunden die Insel und stellen fest, dass die Menschen hier alle überfreundlich sind. Überall winken sie einem zu und man wird eingeladen, anzuhalten und etwas zu trinken. Für uns der bisher schönste Platz in Nicaragua.


Nicaragua: Ometepe - main ring road

Nicaragua: Ometepe

Nicaragua: Ometepe Campsite Posada del Chico Largo

Aber auch hier ist es heiß. Die kühlsten Temperaturen liegen morgens vor Sonnenaufgang bei knapp unter 30 Grad und tagsüber hat es gerne an die 40 Grad … im Schatten. Wir schwitzen also weiter.

Damit sich unser Auto nicht langweilt, fahren wir einmal um die kleinere Insel. Die Straße hat an manchen Passagen leichten Off-Road-Charakter und somit kommt unsere Untersetzung mal wieder zum Einsatz. Kein Wunder, dass es hier keinen Tourismus gibt. Aber die Menschen hier an der einsamen Ecke der Insel sind richtig freundlich (eigentlich die freundlichsten Menschen bisher in Nicaragua). Wir schauen uns Petroglyphen an und benötigen für die Umrundung der kleineren Insel gute 6 Stunden (für 40 km).


Nicaragua: Ometepe; to be sure

Nicaragua: Ometepe; view to the Conception

Nicaragua: Ometepe; petroglyphs

Nicaragua: Ometepe; usual traffic

Nicaragua: Ometepe; steep roads

Wir holen uns einen netten Sonnenbrand, schauen den Menschen beim Fischen zu und sind dennoch nicht wirklich entspannt. Also beschließen wir nach nur 3 Tagen, zurück ans Festland zu fahren. Am letzten Abend trete ich dann auch noch schön auf eine dicke Kröte, die sich im Dunkeln neben dem Auto versteckt (und sie machen wirklich „njööööörg“). Ein widerlich wabbeliges Gefühl.

Die Fähre zurück ans Festland kostet jetzt schlappe 50% mehr (Ostertarif … wahrscheinlich speziell nur für uns); dafür hat unser Auto das komplette Deck für sich alleine.


Nicaragua: Ometepe; SORRY ...

Nicaragua: Ometepe; ferry back to San Jorge

Vor den Osterfeiertagen haben uns alle gewarnt. Und wenn wir sehen, welche Massen sich in Richtung Ometepe bewegen und was am Strand von San Jorge (dem Hafen) los ist, dann schwant uns Böses.


Nicaragua: San Jorge; easter madness

Unsere Idee war noch eine (oder zwei) Nächte an den Stränden im Süden von Nicaragua zu bleiben. Aber als wir sehen, welche Automassen sich in diese Richtung bewegen, beschließen wir am frühen Nachmittag des Gründonnerstages spontan, dass es das mit Nicaragua für uns gewesen ist.

Wir fahren in Richtung Grenze und das ist wohl mal eine richtig gute und clevere Entscheidung von KLUG und KLÜGER, denn alle Leute scheinen bereits an ihren „Osterzielen“ angekommen zu sein und wollen nicht mehr über die Grenze. Zumindest ist die Strasse nach Penas Blancas - dem Grenzübergang - wie leergefegt.

Kaum an der Grenze angekommen scharen sich wieder penetrante Massen von Menschen um unser Auto - selbsternannte Helfer, die uns gerne für 30 USD über die Grenze helfen möchten. Sorry Jungs, aber die Preise sind echt frech und das Prozedere ist immer das Gleiche; wir verzichten also mal wieder gerne.

An der Grenze ist rein gar nichts los und wir sind weit entfernt von den 4 Stunden Wartezeit, die uns die netten Helferlein genannt haben.


Nicaragua: Penas Blancas; border to Costa Rica

Wir gehen zur Immigration, zahlen jeder 3 USD Ausreisesteuer, Stempel in den Pass und fertig. Dann geht es zur Aduana. Unsere temporäre Einfuhrgenehmigung für das Auto wird von einem Inspektor (den wir gerade beim Essen stören und der sich das Auto nicht mal ansieht; wenigstens wischt er sich seine fettig schmierigen Finger ab, bevor er unsere Papiere in die Hand nimmt ...) abgezeichnet, Stempel drauf, keine Kosten und fertig. Das Ganze dauert knappe 30 Minuten. Und somit ist ein weiteres Kapitel auf unserer Reise abgeschlossen …


Gefahrene Kilometer in Nicaragua: 1.113 km (Gesamtleistung: 47.857 km) - ROUTE
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Resümee

ZU LAND und LEUTEN: wir verlassen das Land zwiegespalten. Nicaragua ist das ärmste Land in Zentralamerika und wir haben hier so viel Armut und Dreck gesehen wie in bisher keinem anderen Land. Auf der anderen Seite wurden wir hier konfrontiert mit teilweise lächerlichen Preisen für Unterkünfte und Camping, mit korrupter Polizei, mit obskuren Wegezöllen und anderen sich für uns nicht erschließbaren Kosten. Es ist schade, dass wir das Land mit einem doch leicht bitteren Beigeschmack verlassen.
Die Menschen in Nicaragua sind uns aber überwiegend freundlich und offen begegnet, auch wenn wir echte Probleme hatten, sie zu verstehen, weil wir das Gefühl hatten, dass sie irgendwie eine andere Sprache sprechen.
Kulinarisch ist Nicaragua sicherlich kein Highlight und nachdem wir einige Male essen gegangen sind, haben wir verstanden, warum die Menschen hier etwas beleibter sind. Aber wir hatten dennoch eine nette Zeit.


ZUR NATUR: von leichten Hügeln über Steppe bis hin zu viel grün, Vulkanen und Seen … Nicaragua hat einiges zu bieten. Es gibt bunte Vögel, Brüllaffen, Kröten und erstaunlich wenig Blutsauger.


ZU UNS
: wir haben selten so oft in einem Land in einem Hostel geschlafen und sind essen gegangen. Eben weil „campen“ nicht so wirklich bekannt ist. Was uns aber am meisten zu schaffen gemacht hat, war die unerträgliche Hitze. Wir haben geschwitzt und geschwitzt und sind dadurch leider auch etwas träge und vielleicht nicht immer gut gelaunt gewesen.


ZUM AUTO: wir mussten feststellen, dass sich so langsam nach und nach diverse Schrauben losgerüttelt haben (kein Wunder nach den vielen miesen Straßen). Da die Hecktür in letzter Zeit recht schwergängig gewesen ist und hing, stellen wir die Scharniere neu ein und siehe da: alles wieder in Ordnung …


ZUM SCHLUSS: ein paar Fakten und Daten: 1.113 gefahrene Kilometer; knapp 132 getankte Liter Diesel; Preis pro Liter Diesel: ca. 1 Euro; 23 Reisetage (somit 48 km pro Tag im Schnitt gefahren); Reiseliteratur: Lonely Planet Central America on a shoestring; Kartenmaterial: IMTB Karte Central America; Autohaftpflichtversicherung: obligatorisch und direkt an der Grenze die Versicherung Mafret abgeschlossen (Kosten: 12 USD für einen Monat); korrupte Polizei; wahnwitzige Preise für Unterkünfte; Camping … was ist das?; Miraflor; Krautsalat und in Fett Gebackenes; Vulkanboarding; viel Armut und Dreck; Vulkane und Seen; relativ gute Straßen; Somoto Canyon; Strand und viel Sonne und noch mehr Hitze …


Die am meisten gebrauchten Gegenstände: eine kalte Dusche und viel Trinkwasser!




 



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