Sardinien - Piscinas

September 2019:
Sardinien

Ja, wir haben wohl in den letzten Jahren verstärkt gehört, dass Sardinien ganz groß im Kommen ist, aber das, was uns dann auf der Insel erwartet hat, hat uns doch etwas überrascht. Vielleicht haben sich unsere Wünsche / Vorstellungen / /Ansichten in den letzten 10 Jahren aber auch durch unsere vielen Reisen in vielerlei Hinsicht einfach geändert. Oder vielleicht hat sich der Tourismus (vor allem die Art und die Masse) einfach stark verändert ... oder vielleicht auch beides?!

Nach einer entspannten Fährüberfahrt rollen wir gespannt am 09. September morgens von Bord. Es geht entlang der Küste in Richtung Castelsardo, einem wunderschön gelegenen und schmucken Örtchen. Allerdings fällt uns schnell auf, dass die Landschaft recht intensiv geprägt ist durch Plastik und Müll. Plastik am Strassenrand, in Bäumen und Sträuchern; Müll, der anscheinend ohne nachzudenken einfach in der Landschaft entsorgt wird. 

Wir fahren erstmal etwas ins Landesinnere über das Valle della Luna und Aggius in die Nähe von Tempio Pausania. Hier verbringen wir zwei absolut ruhige, entspannte und kühle Tage in wunderbarer Natur, gehen wandern und "planen" die nächsten Tage. 

Ankunft auf Sardinien Castelsardo Agriturismo Plätze ... ein wahrer Traum

Am Monte Pulchiano

Am Monte Pulchiano

Am Monte Pulchiano

Weiter geht es über Isola Rossa in Richtung Capo Testa, wo eine kleine Wanderung zum Faro und zum Capo geplant ist. Die Automassen ab Santa Teresa machen uns schon ein wenig stutzig. Was uns dann erwartet ist ein regelrechtes Verkehrschaos mit Massenansturm - wir fliehen und betrachten das Capo lieber aus der Ferne.

Isola Rossa Capo Testa

Nachmittags geht es mit der Fähre auf die schöne Isola Maddalena. Am nächsten Tag starten wir früh zu einer Erkundungstour nach Caprera. Schnell müssen wir feststellen, dass wir mit Anfang September anscheinend noch zu früh auf Sardinien sind. Die wunderschönen Buchten füllen sich schnell, auf 50 m Strand liegen gefühlte 200 Menschen und es kommen ständig mehr Menschen dazu. Das ist nichts für uns, wir schauen uns diese traumhaft schöne Insel noch ein wenig an, strecken unsere Beine an einer steinigen Bucht ins glasklare Wasser, umfahren auf der Panoramastrasse die Isola Maddalena mit ihren vielen kleinen, hübschen (und ebenso vollen) Buchten, streunen durch das charmante La Maddalena (ja, hier gefällt es uns richtig gut) und zurück geht es nach Sardinien, zum Golf von Orosei. 

La Maddalena Fähre nach Isola Maddalena
Isola Maddalena
Caprera

Wir landen auf einem traumhaften Campingplatz mit viel Schatten, der quasi uns alleine gehört und der genau nach unserem Geschmack ist. Der Strand ist keine 5 min. zu Fuß entfernt. Wir richten uns gemütlich ein, unternehmen einen Tagestrip zum Canyon Gorropu, erkunden Orosei by night und verlassen diesen wirklich tollen Platz nach drei Tagen sehr schweren Herzens. Unser Weg führt uns über die Panoramastraße SP 125 in Richtung Westen.

Campingplatz bei Orosei
Campingplatz bei Orosei

Bei Orosei

Marmorabbau bei Orosei

Caynon Gorropu

Canyon Gorropu

Canyon Gorropu

Canyon Gorropu

SP 125

SP 125

Nach einem langen Fahrtag schlagen wir abends in der Nähe von Piscinas auf. Hier sind wir bereits vor 10 Jahren gewesen und es hat sich kaum etwas verändert. Wir fahren eine recht anspruchsvolle Offroad-Strecke den roten Fluss hinauf, ruinieren uns unseren Lack dabei komplett (Kratzgefahr 3 von 3 laut Trackbook Sardinien bedeutet auf der Strecke dann wirklich ade schöner Lack), erkunden alte Minenstraßen, sind begeistert vom langen Sandstrand an dem man endlich mal auch Plätze für sich ganz alleine findet.

Camping bei Piscinas Die Dünen von Piscinas

Offroadspaß am roten Fluss

Roter Fluss bei Piscinas

Alte Minenanlage

Pozzo Casargiu - Ende der Strecke den roten Fluss entlang

Auf dem Weg nach Montevecchio

Ingurtosu

Strand von Piscinas

Strand von Piscinas

Weiter geht es in Richtung Sinis und den berühmten Reiskornstränden. Hier finden wir wieder regelrechte Sonnenschirm-Massaker vor. Da wir nicht der Typ Mensch sind, der darauf steht, Handtuch an Handtuch auf Tuchfühlung zu gehen, entfernen wir uns und laufen wir ein wenig - vorbei an Natur, missbraucht als große, wilde, öffentliche Toilette samt Toilettenpapierinferno - zur nächsten Bucht (auch schön, aber bei weitem nicht so überfüllt). Die Problematik der massenhaft menschlichen Hinterlassenschaften gibt es leider übrigens nicht nur hier ... 

Wir legen einen Strandtag ein bevor es entlang der spektakulären Küste auf kleinen, sandigen, holprig-steinigen Straßen (Fahrzeug sollte unbedingt geländegängig sein!) weiter in Richtung Norden geht.

Mari Ermi am Morgen ... noch ist es leer ... Mari Ermi Mari Ermi

Sinis Halbinsel

Sinis Halbinsel

Sinis Halbinsel

Sinis Halbinsel


Wir nächtigen wieder einmal auf einem echt tollen Campingplatz und merken, dass jetzt eigentlich der richtige Zeitpunkt für die Anreise wäre, denn es leert sich überall merklich. Bevor es nach Bosa weiter geht, springen wir nochmals ins Wasser.

Camping Is Arenas
Strand Is Arenas

Bosa ist bunt, niedlich, mit seiner ganzen Blumendekoration mal ganz anders und überschaubar groß. Wir strollen durch die kleinen Gassen, nehmen einen Drink und verbringen unsere letzte Nacht nur unweit von Bosa.

Bosa Bosa Bosa

Die Nacht ist recht windig, unser Dach schlägt sich wacker. Der Himmel ist bedeckt, es ist angenehm von den Temperaturen. Wir frühstücken in Ruhe, geniessen den Ausblick, gehen baden und machen uns gegen Mittag auf in Richtung Porto Torres. Das Wetter schlägt um und es regnet. In Alghero machen wir einen kurzen Zwischenstopp und sind begeistert.

S´Abba Druche
S´Abba Druche

Gassen von Alghero

Alghero

Gassen von Alghero

Alghero

In Porto Torres gibt es dann die letzte Pizza und den letzten Espresso, wir drehen nochmal eine große Runde mit Mocca und dann geht es auch schon wieder auf die Fähre. Goodbye Sardinien ...

Goodbye Sardinien


Danke Sardinien, es war schön, aber ganz so beigeistert und verzaubert wie vor 10 Jahren hast du uns diesmal leider nicht. Du lässt uns nachdenklich zurück. Vieles hat sich sich verändert (leider auch negativ) und manches hat einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Wir haben in 12 Tagen versucht, möglichst viel zu sehen, vielleicht war es einfach zu viel, denn
wir haben recht viel Zeit im Auto verbracht, sind nie richtig zur Ruhe gekommen, haben uns nur selten richtig wohl gefühlt. Erstaunt haben uns die Menschenmassen an manchen Stränden/Plätzen und die damit irgenwie einhergehende und verbundene "Verschmutzung". Viele Einrichtungen, vor allem an namhaften Stränden wirken lieblos, ja irgendwie fast schon verwahrlost. Öffentliche Toiletten oder Mülleimer vor allem an Hotspots leider oft Fehlanzeige.

Es waren 12 ereignisreiche Tage mit vielen Eindrücken, wunderschönen Plätzen abseits der Massen, leckerem Espresso, viel Offroadspaß, Baden im warmen Mittelmeer, überfüllten Stränden, aber auch kleinen und einsamen Buchten, tollen Wanderungen, leider auch mit sehr viel Müll und menschlichen Hinterlassenschaften, vielen Kilometern auf tollen Panoramastraßen, charmanten Ortschaften und gutem Wein. 

Campingplätze: es gibt wunderschöne, liebevoll angelegte Campingplätze, die dann vielleicht auch noch super gelegen sind und deren Namen man in zig Gruppen und Foren immer wieder lesen kann; wir sind allerdings keine Freunde davon, dass wir, wenn wir morgens aus dem Auto steigen, quasi direkt in der Küche unserer Nachbarn stehen - daher haben wir diese Plätze gemieden.
Dann gibt es die etwas einfacheren Plätze, ebenso wunderschön und sauber, naturbelassen, bestenfalls auch klein, die nirgendwo breit getreten werden, auf denen man quasi alleine ist - diese Plätze sagen uns dann umso mehr zu.
Und dann gibt es die Plätze, die ihren einzigen Reiz durch ihre Lage haben. Plätze, bei denen das Geld rein kommt, weil sie eben zufällig an genau DEM Strand liegen. Plätze, bei denen der Betreiber gefühlt den derzeitigen Touristenansturm mitnimmt, ohne jegliche Investitionen zu tätigen ...
Agriturismo Anbieter haben teilweise wahre Schätze zu bieten und auch hier haben wir uns sehr wohl gefühlt.
Und dann gibt es auch noch die Area Sosta Camper Plätze, welche meist einem schmucklosen, planen Parkplatz ohne Schatten und jeglichen Charme ähneln - auch die sind für uns so gar nichts ...

Wild campen: ist offiziell verboten! Auf unseren Fahrten über die alten Minenstrassen im Osten sind wir aber auf unzählige wunderschöne Plätze gestossen; auch auf der Sinis Halbinsel haben wir tolle Plätze gefunden, wo wir sicher niemanden gestört hätten und auch uns niemand gestört hätte. Explizit gesucht haben wir nicht - aber wenn man etwas abseits auf die kleinen Schotterwege ausweicht wird man sicherlich noch mehrere tolle Plätze finden. Dass sich auf diesen Plätzen die Massen nicht bewegen merkt man daran, dass sie sauber sind - und UNBEDINGT auch sauber bleiben sollten, denn das ist ein ganz großes Problem ... leider!

Hunde an Stränden/in Restaurants/auf Campingplätzen: Hunde sind außerhalb der Saison angeleint an Stränden kein Problem. Bei uns ist ja nun auch noch recht voll gewesen und wir hatten dennoch nie ein Problem; der Hund wurde immer geduldet. Da wir uns an übervollen Stränden selbst nicht wohl fühlen und diese gemieden haben war es an den einsameren Stränden sowieso nie ein Problem, selbst, wenn der Hund nicht angeleint gewesen ist. Ich kann es absolut verstehen, dass andere Strandbesucher es recht uncool finden, wenn sie von einem Hund angebellt, freudig begrüßt werden oder eine Schnauze in ihrer Strandtasche finden; auch kann ich absolut verstehen, dass Strandbesucher es noch uncooler finden, wenn ein Hund sein Geschäft am Strand verrichtet; aber hier sollte ein verantwortungsbewusster Hundehalter dementsprechend eingreifen und ich glaube, dass wir Menschen bei dem Thema wohl eher das Problem sind (siehe Sauberkeit/Müll/menschliche Hinterlassenschaften).
Auf Campingplätzen (manche Plätze nehmen einen kleinen Obolus, andere nehmen gar nichts) und auch in Restaurants hatten wir nie ein Problem ;-)

Sauberkeit/Müll/menschliche Hinterlassenschaften: Müll und Plastik begleiten uns leider überall auf der Insel. Die Augen davor zu verschliessen, fällt schwer, zu sehr sind gerade die Massenspots, aber auch Straßenränder und Parkplätze geprägt davon. 
Ganz schlimm ist es an den Stränden; entfernt man sich hier mal ein paar Meter vom Wasser erwartet einen ein wahres Toilettenpapier/Taschentuch-Inferno. An den Strandbars oder auch an Stränden gibt es leider kaum Mülleimer oder öffentliche Toiletten und der Mensch scheint anscheinend dazu zu neigen, sich unschön zu verewigen ... was er leider auch sehr oft schafft :-(
Saubere und recht müllfreie Gegenden gibt es natürlich; komischerweise finden wir diese meist abseits der Massen, dort, wo man nicht so leicht mit jedem Fahrzeug hinkommt; an Plätzen, die schwerer oder unter beschwerten Bedingungen zugänglich sind. Warum hinterlassen wir Menschen die Natur so? Warum ist es so schwer, seinen Müll wieder mitzunehmen und richtig zu entsorgen? Wir hoffen, dass sich hier schnell etwas ändert, denn es tut schon richtig weh, zu sehen, wie sehr sich das Blatt seit unserem letzen Besuch zum Negativen gewendet hat. Das sind dann wohl die Schattenseiten des boomenden Tourismus?!



zurück


Copyright © 2009-2019 kontraer.com